Chronik

Die Anfänge des Feuerlöschwesens
135 Jahre zurück
Die Bezirksfeuerwehr
Die Entwicklung bis zum Jahre 1933
Die Krisenzeit ab 1933
Die Wehr in den fünfziger Jahren
Das andere Vierteljahrhundert - der Wandel
Der 100. Geburtstag
Hauptleute, Gemeindebrandmeister und Ortsbrandmeister


Die Anfänge des Feuerlöschwesens

Wenn im Juni 2004 das 135jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Börßum begangen wird, so wird man schnell das Gründungsdatum 1869 finden. Doch schon vor diesem Datum gab es vielseitige Bemühungen, den Feuerschutz in der Landgemeinde – angesichts der vorwiegenden Strohbedachung – durch entsprechende Vorkehrungen sicherzustellen. Die ältesten bekannten Schriftstücke datieren aus den Jahren 1787 und 1803.

Hiernach soll bereits ein Spritzenhaus gebaut (1787) und eine Spritze erworben worden sein, die der Braunschweiger Glockengießer Grete anfertigte. In einem „Decretum vom Amte Achim“ (1803) verpflichteten sich die Börßumer Brinkbesitzer zur übernahme eines Teils der Kosten für den Erwerb einer Feuerspritze.

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135 Jahre zurück

1869 war das Geburtsjahr der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr. Mit dem Einsetzen des provisorischen Statuts durch den Landausschuss, wurde die bis dahin gebräuchliche Form der Zwangsfeuerwehr, wie die Verzeichnisse der vorigen Kapitel belegen, beendet.

Über ein Jahrhundert vor diesem Gründungsjahr geschah die Brandbekämpfung durch die Bevölkerung, die zum Brandschutz verpflichtet war. Diese Regelung erwies sich aber bald als nicht mehr ausreichend, eine schnelle und erfolgreiche Brandbekämpfung leisten zu können. Vier Rotten Handarbeiter, jede mindestens 16 Mann stark und weitere sechs Gespannrotten, mit je fünf Mann, machten annähernd 100 männliche Aktive aus.

Frauen und Mädchen waren zum Wasserschöpfen, Zureichen und Bergen der Effekten verpflichtet. Angesichts dieser großen Zahl mussten die so genannten „schwarzen Tafeln“ ausgegeben werden, die die Besitzer im Alarmfalle zum Einsatz zwangen. Hatten die Betroffenen zweimal Hilfe geleistet, so wurden die Tafeln eingezogen und dann neu verteilt. Damit wechselten bei der Zwangsfeuerwehr ständig die „Aktiven“.

Diese Ära ging also mit dem Jahr 1869 zu Ende und die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr erhielt eine straffere Gliederung. Der Particulier Fritz Bötel wurde zum Hauptmann gewählt, der Kothsaß Andreas Löhr jun. Zugführers. Spritzenmeister wurden der Schmiedemeister Ernst Prüße, der Ackermann Fritz Ebeling, der Böttchermeister Fritz Ebeling und Andreas Wessel. Anführer des Steigerkorps wurde der Dachdeckermeister Christian Werthmann. Damit besaß die junge Wehr erstmals ein eigenes Kommando und unterstand nicht mehr dem Ortsvorsteher, der seine Instruktionen vom damaligen Feuerlöschkommissarius in Bornum einholen musste.

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Die Bezirksfeuerwehr

Nur sechs Jahre nach der Gründung der Ortsfeuerwehr wurden die bestehenden Nachbarwehren in Achim und Kalme mit der Börßumer Wehr zu einer Bezirksfeuerwehr zusammengeschlossen. Börßums Feuerwehrhauptmann Fritz Bötel stand nun auch als Bezirkshauptmann den drei Wehren voran, die jährlich eine Bezirksübung abhielten.

Fritz Bötel wurde aufgrund seiner Verdienste 1876 wiedergewählt und noch im gleichen Jahr in die Landesversammlung der Braunschweiger Feuerwehren berufen.

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Die Entwicklung bis zum Jahre 1933

Aktenvermerke und Notizen geben Aufschluss über die Tätigkeit der Wehr vor der Jahrhundertwende bis zum Jahre 1933. Hier einige Beispiele:
1875 Im März wurde ein Ehrengericht aus elf Personen gebildet. Diesem Ehrengericht gehörten der Hauptmann, der Zugführer, die vier Spritzenmeister, der Zugführer des Steigerkorps und vier von der Generalversammlung gewählte Mitglieder an.
1886 Im Mai vernichtete ein Großfeuer den Niens’schen Großkothof. Gerettet wurde nur noch das Wohnhaus.
1890 Im Dezember wird Hermann Wäterling zum Feuerwehrhauptmann gewählt.
1895 Den wohl schwersten Einsatz am Ort erlebte die Wehr im September des Jahres, als der Hof des Ackermanns Ferdinand Bötel in Brand geriet. Die Löscharbeiten erstreckten sich über volle acht Tage, bevor man die Glut und die Brandnester vollständig abgelöscht hatte. Nur das Wohnhaus überlebte diesen Feuersturm.
1897 Am 5. November brannte das Anbauerwesen des Tischlermeisters Mahlmann nieder. Bei diesem Brandeinsatz kam es zu einer Insubordination, die zur Folge hatte, dass der Spritzenmeister Wedde und Wehrmann Gustav Müller aus der Wehr austraten.
1903 Die Herzogliche Kreisdirektion macht darauf aufmerksam, dass die Wasserversorgung im Ernstfalle einem Gutachten des Kreisbranddirektors zufolge ungenügend sein. Daher laufen Planungen für den Bau eines 18 Kubikmeter großen Sammelbassins vor dem Gasthaus Sonnemann an.
1904 Die Quelle in den Flachsrotten wird als Reservoir für Feuerlöschzwecke ausgebaut.
1910 Im Januar wird Hermann Sonnemann Feuerwehrhauptmann.
1924 Ferdinand Quidde übernimmt das Amt des Feuerwehrhauptmanns. Das Spritzenhaus wird instand gesetzt.
1925 will die Gemeinde ein neues Spritzenhaus bauen. Schon im folgenden Jahr 1926 feiert man am 23. April die Einweihung des neuen Hauses, indem nun zwei Motorspritzen untergebracht sind.
1931 vernichtet ein Großfeuer Scheunen und Stallungen des Landwirts Julius Wäterling
1933 verliert die Freiwillige Feuerwehr ihre Eigenständigkeit und wird wie alle Vereine und Organisationen gleichgeschaltet.
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Die Krisenzeit ab 1933

Ferdinand Quidde musste, obwohl von allen Kameraden geschätzt und anerkannt, vom Posten des Feuerwehrführers zurücktreten. Das Hineintragen nationalsozialistischer Politik in die Aufgaben und Arbeit der Wehr führte aber nicht nur Verwaisung des Amtes des Wehrführers, sondern sorgte zudem für große Unsicherheit, Unzufriedenheit und Zurückhaltung unter den Wehrmännern. Zu diesem Zeitpunkt wurde der damals erst 30jährige Landwirt Fritz Bötel zum neuen Feuerwehrführer ernannt. Bestrebt, den alten Kameradschaftsgeist der Wehr wiederzubeleben und die Politik möglichst herauszuhalten, bestimmt fortan sein Handeln.

Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde Fritz Bötel zum Meister der Feuerwehr befördert und erhielt gleichzeitig als Kreisunterführer den Löschbezirk 3, der sich von Hornburg bis zur Asse und von der Oker bis nach Wetzleben erstreckte.

Der verheerende Luftangriff vom Januar 1944 auf den Kreis Wolfenbüttel verurteilte die Wehren vielerorts zur Hilflosigkeit. Trotz des ständigen Einsatzes aller Wehren in der Umgebung, die dem großen Löschbezirk angehörten, kam oft jede Hilfe zu spät.

Nach dem Zusammenbruch fand sich die Feuerwehr wieder zusammen. Einige Kameraden kehrten aber nicht mehr zurück.

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Die Wehr in den fünfziger Jahren

1952 wird Oberbrandmeister Fritz Bötel zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt. Als Nachfolger übernimmt Landwirt Ernst Meyer die Führung der Wehr als Gemeindebrandmeister. 1954 wird der Unterkreis I Börßum gebildet, dem Kamerad Ernst Meyer als Unterkreisbrandmeister vorsteht. Damit setzt sich eine langjährige Tradition der Börßumer Wehr fort, die seit eh und je Führungsaufgaben für überörtliche Belange übernahm und auch die Führungskräfte dafür abstellte.

Die Einsatzbereitschaft der Wehr wurde die Anschaffung eines LF 8 (Löschgruppenfahrzeug) 1956 wesentlich erhöht und – infolge der Erfahrungen des Brandes bei Neumann, wo die Nutzung des Wasserleitungsnetzes nicht optimal war – durch die Anschaffung einer TS 8 (Tragkraftspritze) ergänzt.

Die Bildung der Unterkreise führte zu einer einheitlicheren Dienstausbildung und sorgte dafür, dass ausgebildete Dienstgrade die Löschgruppen leiteten.

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Das andere Vierteljahrhundert – der Wandel

Auch heute noch wird in den Freiwilligen Wehren der traditionelle Wahlspruch „Gott zur Ehr – dem nächsten zur Wehr“ weiter Bestand haben, doch haben die wachsenden Anforderungen hinsichtlich der Ausrüstung, neuerer Technik und der änderung des Einsatzwesens sowie der Aufgabenerweiterung bei Unglückfällen, Der Gefahrenabwehr und des Umweltschutzes zu einem neuen Verständnis in der Hilfeleistung geführt. „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ umschreibt die heutigen Einsatzaufgaben präziser.

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Der 100. Geburtstag

Im Jahre 1969 erlebte die Gemeinde Börßum ein Feuerwehrfest, von dem noch heute – und gerade in der Vorbereitungszeit für die Feierlichkeiten zum 135jährigen Jubiläum – gern und oft gesprochen wird. Damals stellte Henning Mummenbrauer, der 1967 Ernst Meyer als Gemeindebrandmeister ablöste, in seiner Festansprache den Geist der Kameradschaft und Uneigennützigkeit besonders heraus.

„Der Dienst für die Allgemeinheit erfordert herzhafte Männer, die bei den nötigen Körperkräften sich anstellig und wendig zeigen und dabei technisches Verständnis entwickeln. Eigenbrötler finden in unserer Gemeinschaft keinen Platz, denn in ihr gilt es, sich unterzuordnen. Unsere Tätigkeit dient unserer Gemeinde und sie geschieht nicht, um Dank zu ernten. Was der Feuerwehrmann tut, sieht er als selbstverständliche Pflichterfüllung an. In dieser Hinsicht hat die Feuerwehr an ihrer 100jährigen Tradition festgehalten und sie gepflegt wie die Kameradschaft und die Einsatzbereitschaft.“

Und vom damaligen Kreisbrandmeister Robert Rollwage war zu vernehmen, dass „das allenthalben bei Vereinen und Verbänden Sorgen machende Nachwuchsproblem“ sich nicht einstelle, sondern „das Prinzip der Freiwilligkeit auch in unserem verwöhnten Zeitalter noch keinen Schaden genommen hat.“

Fünf Feuerwehren waren damals im Einsatz bei der traditionellen übung des Feuerlöschbezirks Börßum-Achim-Kalme, die den üblichen Rahmen insofern verließ, als ihr zum Ziel gesetzt worden war, moderne Brandbekämpfung zu demonstrieren. Zu den Höhepunkten gehörte zweifellos der Einsatz der 30 Meter hohen Leiter der Wolfenbütteler Wehr.

Und einen so langen Festzug hat es in Börßum zuvor wohl noch niemals gegeben, jedenfalls wussten sich selbst die betagtesten Einwohner nicht an solchen zu erinnern.

Der Rückblick auf dieses Fest, der 100 Jahre Geschichte einer Wehr neu aufleben ließ, ist insofern von Bedeutung, da im Zeitraum von 1969 bis heute (2004) derart viele Neuerungen und Veränderungen eintraten, dass ein neues Bild der Feuerwehr entstand.

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Hauptleute, Gemeindebrandmeister und Ortsbrandmeister

1869 – 1890 Fritz Bötel (Particulier) Hauptmann Bezirkshauptmann
1890 – 1910 Hermann Wäterling Hauptmann  
1910 – 1924 Hermann Sonnemann Hauptmann  
1924 – 1937 Ferdinand Quidde Hauptmann  
1937 – 1952 Fritz Bötel (späterer Bürgermeister) Meister der Feuerwehr Kreisunterführer
1952 – 1967 Ernst Meyer Gemeindebrandmeister Unterkreisbrandmeister
1967 – 1991 Henning Mummenbrauer Gemeindebrandmeister Ortsbrandmeister
1991 – 2009 Herbert Probst Ortsbrandmeister  
ab 2009 Torben Probst Ortsbrandmeister  
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